"Der Klimawandel ist eine Erfindung der Chinesen"

...wohl nicht, aber zum Thema Faktencheck ist zu sagen, dass China an der Entstehungs- und Erfolgsgeschichte der Zitrusfrüchte maßgeblich beteiligt war, wie auch der lateinische Name der Orange (Citrus sinensis) aufzeigt. Die Zitrone (von arabisch ليمون "Zitrone") ist die Frucht des Zitronenbaums (Citrus × limon) aus der Gattung der Zitruspflanzen (Citrus). Es handelt sich um eine Gruppe von Sorten, die aus einer Kreuzung zwischen Bitterorange (Citrus × aurantium) und Zitronatzitrone (Citrus medica) entstanden ist, wahrscheinlich im Norden Indiens. Um das Jahr 1000 sind erste sichere Nachweise sowohl in China als auch im Mittelmeerraum zu finden. Citrus limon ist wie alle anderen häufig vorkommenden Zitruspflanzen eine Jahrtausende alte Kulturpflanze, bei der die Menschen schon früh den Nutz- und Zierwert erkannt haben. Der Nutzwert liegt auf der Hand: Zitronen können und haben Leben gerettet. Sie waren in der Zeit der großen Entdeckungen ein probates Mittel gegen die Seefahrerkrankheit Skorbut. Aber nicht nur auf hoher See hat die Zitrone schon seit Jahrhunderten wertvolle Vitamine, vor allem Vitamin C geliefert. Das saftige, saure Fruchtfleisch enthält rund 3,5 bis 8% Zitronensäure und viel Vitamin C. Aus Zitronen werden Saft, Zitronensäure, ätherisches Öl und Pektin gewonnen.

Und der Klimawandel? Die klimatisch weltweiten auffälligen Veränderungen und auch auf Sylt bieten und erfordern neue Gestaltungsmöglichkeiten, z.B. mit der Haltung von mediterranen Pflanzen jenseits des 30. und 35. Breitengrads. Auf Helgoland findet man bereits seit den 1980er Jahren einige große ausgepflanzte Lorbeerbäumchen (Laurus nobilis), die dort erfolgreich ohne Winterschutz gedeihen. Darauf wurden wir aufmerksam und dachten an Sylt. Das milde maritime Klima ermöglicht mittlerweile auch unser Lorbeerwäldchen in der Keitumer Meeresgärtnerei. Nebenher fühlen sich auch Granatapfel und Feigenbäume bei uns wohl. Schon verrückt: Mediterrane Kulturen auf Sylt sind begünstigt ähnlich wie das milde und relativ sonnige Klima in Cornwall (es gilt aber auch hier: Lage - Lage - Lage und solange der Golfstrom klappt). Dies brachte uns auf die Idee einer Zitronen-Plantage auf Sylt.

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Fête du Citron

Beim Mittelmeerklima handelt es sich um einen wechselfeuchten Klimatyp mit Winterregen und Sommertrockenheit. Auch das Klima auf Sylt wird erheblich von der "Wärmepumpe" Golfstrom beeinflusst. Das führt dazu, dass die Temperaturen im Winter ein wenig milder als in vergleichbaren Regionen auf dem Festland ausfallen, die Sommermonate mit Blick auf die Temperaturen je nach Windsituation aber auch kühler daherkommen. Besonders ist auf Sylt die Sonnenstundenbilanz. In Keitum ist auch der unmittelbar benachbarte Weinberg ein Indiz auf die besonders viel gesegneten Sonnenstunden, die Zitronen besonders mögen. Was Zitronenbäume weniger mögen ist zuviel Wind. Bei Sturm insbesondere aus Nordwest bekommen unsere Sylter Zitronenbäume daher einen Windschutz.

Einen durchgängigen Regentag gibt es auf Sylt höchst selten. Ebenso wenig einen kompletten Sonnentag. Vielmehr wechseln sich die Stimmungen in rascher Folge ab. Die Temperaturen von Wasser und Luft liegen stets im gemäßigten Bereich. Im Sommer wird es selten richtig heiß und im Winter selten richtig kalt. Das von Ausläufern des warmen Golfstromes beeinflusste Hausmeer wirkt ausgleichend wie ein Temperaturpuffer. Trotzdem kann manchmal noch im September bei Sommertemperaturen das "Endless-Summer"-Feeling aufkommen und im Januar ein Strandspaziergang bei Windstärke 8 wie eine Expedition ins ewige Eis wirken. Unsere Zitronenbäume werden daher auch winters als Kübelpflanzen im Kalthaus nahe der Frostgrenze eingewintert. Dies vermindert wiederum den Schädlingsdruck, der zumeist durch eine zu warme Überwinterung zustande kommt. Viele Ungeziefer macht aber auch das Meeresklima übers Jahr nieder. Wir orientieren uns bei der Überwinterung an dem Vorbild der alten herrschaftlichen Orangerien mit Fußbodenheizung und Schattierungen. Unsere traditionellen Anbau-Methoden bedeuten aber auch, dass wir ohne Spritzmittel auskommen. Konkret heißt dass wir ohne Pestizide, Herbizide, Fungizide oder Glyphosat auskommen. Die Zitronenschale kann z.B. für Desserts als Abrieb bedenkenlos als Lebensmittel verwendet werden (natürlich auch wegen des viel kürzeren Transportweges und dadurch viel mehr Aroma). Aber auch für Cocktails, Weizen oder im Mineralwasser kommt unsere Sylter Zitrone viel eher in Frage im Gegensatz zu vielen konventionellen Lieblos-Zitronen: Viele vergessen was man sich so während der Party für Pestizid-Bomben ins Getränk legt! Der Alkohol ist da oft das geringere Übel. Wir verwenden außerdem keinen Kunstdünger, sondern u.a. abgelagerten Pferdemist von der Insel. Unsere Bäume sind über 30 Jahre alt und haben wir aus València mitgebracht. Unsere Kübelkultur funktioniert dabei wie überdimensionierte Bonsais. Ältere Kübelpflanzen gewöhnen (akklimatisieren) sich an raue Bedingungen und können regelrecht trainiert werden an eine kältere Umgebung. Zitronen mögen aber partout keinen Frost, daher werden sie auf Sylt nicht ausgepflanzt, sondern landen übergangsweise im kalten Gewächshaus.

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200

Gramm = Täglicher Vitamin-C Bedarf

100

Prozent Zitronenpreisanstieg (Coronavirus 2020)

15000000

Tonnen Zitronen weltweit/ Jahr

12

kcal - Energiegehalt Zitronensaft